150 Jahre Eisenbahnstrecke Gotha – Mühlhausen – Leinefelde: Elektrifizierung und weitsichtige Ausbauplanung statt Schmalspuragenda!

Am 3. Oktober 1870 eröffnete die damalige Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft die Bahnstrecke Mühlhausen – Leinefelde, womit die Strecke Gotha – Leinefelde durchgängig befahrbar war. Anlässlich des 150-jährigen Streckenjubiläums erklärt Tino Gaßmann, Sprecher der Grünen im Unstrut-Hainich-Kreis:

„Die Eisenbahnstrecke Gotha – Leinefelde ist heute ein unverzichtbares Bindeglied im thüringischen Eisenbahnnetz. Die 150-jährige Strecke ermöglicht schnelle Verbindungen von Nordthüringen in die Landeshauptstadt Erfurt aber eben auch nach Ostthüringen und Südniedersachsen. Mit einer Fahrzeit von etwas über einer Stunde ist Erfurt von Leinefelde aus bequem und sicher erreichbar – gegenüber dem Pkw eine konkurrenzlos schnelle Bahnverbindung. Das spricht für die Weitsicht, mit der die Bahnpioniere im 19. Jahrhundert die Strecke über den Dün und durch das Thüringer Becken trassierten.

Bahnhof Mühlhausen

Im 21. Jahrhundert müssen nun endlich die Weichen für die Verkehrswende und damit für die Zukunft der Bahnverbindung gestellt werden. Für unsere Strecke Gotha – Leinfelde heißt dies konkret: Die 67 Kilometer zwischen Leinefelde und Gotha müssen so schnell wie möglich elektrifiziert werden, so wie es der Bundesverkehrswegeplan 2030 vorsieht. Hier muss das Land Thüringen beim Bund politisch Druck machen, damit die Planung 2021 endlich begonnen wird. Da die Planung der Elektrifizierung zwischen Weimar und Gößnitz – auf dem östlichen Abschnitt der Mitte-Deutschland-Verbindung – schon weiter fortgeschritten ist, droht der Regionalexpresslinie 1 von Göttingen nach Glauchau zumindest zeitweise die Unterbrechung in Erfurt, da östlich von Erfurt dann entsprechend früher mit elektrischen Triebzügen gefahren werden kann. Deshalb dürfen wir keine weitere Zeit mit Lamentieren verlieren. Die Planung für die Elektrifizierung der Strecke in Nordthüringen und der Mitte-Deutschland-Verbindung darf nicht noch weiter auseinanderdriften. Der RE 1 muss im Zielzustand wieder Südniedersachsen mit Ostthüringen bzw. Südwestsachsen verbinden und durchgehend mit elektrischen Triebzügen verkehren.

Tino Gaßmann

Doch darf es keinesfalls nur bei der Elektrifizierung der Strecke bleiben. Zur Verbesserung der Fahrplanstabilität und Betriebsqualität müssen zwischen Gotha und Leinefelde längere zweigleisige Abschnitte geschaffen werden. Dies ist auch Voraussetzung für eine Verdichtung des Angebots. Wir brauchen eher heute als morgen einen verlässlichen Stundentakt auf der schnellen Regionalexpresslinie 1 und zusätzlich die Regionalbahnen bzw. den RE 2 zur Erschließung der Regionen. Wir appellieren daher an Landesverkehrsminister Hoff, mit dem Bund zügig Benehmen über das notwendige Ausbaupaket herzustellen. Der Bund hat bisher nur die Streckenelektrifizierung und den Bau von drei Kreuzungsbahnhöfen auf der Agenda. Das ist für einen zukunftsgerechten Ausbau der Strecke aber zu kurz gesprungen. Das Land muss mit dem Bund umgehend klären, welche Abschnitte für ein dichteres Nahverkehrsangebot zweigleisig ausgebaut werden müssen. Es wäre ein Treppenwitz der Bahnpolitik, wenn man jetzt einen Sparausbau vereinbart und in einigen Jahren feststellt, dass eine Taktverdichtung an fehlenden zweigleisigen Begegnungsabschnitten scheitert. Hier erwarten wir von Landesregierung und Bund verkehrspolitische Weitsicht und ein abgestimmtes Ausbaukonzept, das auch mittel- und langfristige Angebotsverbesserungen im Nahverkehr berücksichtigt. Berlin und Erfurt müssen ihre Interessen unter einen Hut bekommen. Zudem wäre es verkehrspolitisch nicht zu vermitteln, warum in die parallelen Bundesstraßen 247 und 176 insgesamt rund 400 Millionen Euro in den großzügigen Straßenneubau investiert werden und beim Bahnausbau nur eine Schmalspuragenda verfolgt wird.“

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