Thüringen wird zum Klo der Nation

Statement von Judith Keidel, Sprecherin der Grünen im Unstrut-Hainich-Kreis zur aktuellen Diskussion über die Errichtung von Güllesilos in Eigenrode, Kaiserhagen und Horsmar

Dr. Judith Keidel

Die Gebiete mit hoher Nutztierdichte, wie z.B. Niedersachsen, wissen inzwischen nicht mehr wohin mit der Gülle. So wird es für die Betriebe dort rentabel, die tierischen Hinterlassenschaften durch die halbe Nation zu karren. Das wird dann als eine Form der Kreislaufwirtschaft beworben. Unsere vom Pflanzenbau ausgelaugten Äcker bräuchten den Wirtschaftsdünger aus dem Westen um Mineraldünger einzusparen.

Die Tierdichte in Thüringen ist geringer als z.B. in Niedersachsen. Das liegt auch an der guten Qualität der Böden, was eben vor allem den Pflanzenbau für Landwirte interessant macht. Hier gibt es wenige, dafür große Tierhaltungsanlagen. Auf den ersten Blick geht die Rechnung also auf: wir importieren Tierdung, das hilft unseren Pflanzen beim Wachsen.

Pervers wird es dann, wenn man auf die Kollateralschäden dieser Verfahrensweise blickt: Gülle, Gärreste oder Hühnertrockenkot legen hunderte von Kilometern im LKW zurück. Sie kommen aus (oder gehen in) Biogasanlagen, welche aufgrund ihrer umweltfreundlichen Energiegewinnung subventioniert werden. Einige Thüringer Biogasanlagen erhalten sogar regelmäßig Hühnerkot aus den Niederlanden.

Das ist aufgrund der Ökobilanz nicht akzeptabel und außerdem Betrug am Steuerzahler. Von der Gefahr der Verschleppung von Tierseuchen in Zeiten der Afrikanischen Schweinepest mal ganz abgesehen.

Ohne Flächenbindung der Tierhaltung und einem nachhaltigen Umbau der Landwirtschaft wird sich das Problem nicht lösen lassen. Daran können auch wir Thüringer mitarbeiten, indem wir unsere Bratwurst und das Kilo Gehacktes nicht nur nach Preis aussuchen.  Andernfalls müssen wir damit leben, das Klo der Nation zu werden.

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